{"id":645,"date":"2017-11-26T17:32:51","date_gmt":"2017-11-26T16:32:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.songs-of-heimat.de\/?p=645"},"modified":"2017-11-26T18:09:38","modified_gmt":"2017-11-26T17:09:38","slug":"huesch-und-gesellschaftliche-relevanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.songs-of-heimat.de\/index.php\/huesch-und-gesellschaftliche-relevanz\/","title":{"rendered":"&#8222;Wer empf\u00e4nglich f\u00fcr andere Kulturen sein will, muss erst mal selbst eine haben.&#8220; H\u00fcSCH! und gesellschaftliche Relevanz. Ein Interview."},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;\">Interview mit\u00a0<\/span><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;\">Nico Schneider von H\u00fcSCH! \u00fcber die Notwendigkeit, das deutsche Identit\u00e4tsfeld positiv zu besetzen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif; font-size: 10pt;\">Erschienen im Stadtmagazin Halle\/Saale &#8222;Frizz&#8220; 07\/17\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;\">Hat man sensible Antennen f\u00fcr gesellschaftliche Entwicklungen, dann springt bei Ihrer Band \u201eH\u00fcSCH!\u201c,sofort eine Thematik ins Auge. Um das Thema so aufzugreifen: M\u00fcssen wir Begriffe wie Heimat in globalisierten und digitalisierten Zeiten mit progressiven Inhalten f\u00fcllen?<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif; font-size: 10pt;\">Zurzeit ist es tats\u00e4chlich so, dass Begriffe wie \u201eHeimat\u201c und auch das Wiederbeleben bzw. Erhalten und Erneuern von Traditionen negativ belegt sind und von diversen rechtspopulistischen Parteien missbraucht werden. Deswegen muss man bei der Wortwahl extrem aufpassen, um nicht missverstanden und im falschen Lager verortet zu werden. Der Untertitel unseres Programmes hei\u00dft deswegen auch \u201eSongs of Heimat\u201c. Die englischen Worte entsch\u00e4rfen das Ganze und deuten schon unseren globalen Ansatz, lokale Musik zu interpretieren, an.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;\">Sp\u00fcren Sie bei Konzerten, dass rechtes Klientel um Anschluss bem\u00fcht ist?<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif; font-size: 10pt;\">Das haben wir tats\u00e4chlich in dieser Form noch nicht erlebt. Ich glaube, f\u00fcr Rechte ist unser Ansatz viel zu weltmusikalisch und alternativ. Sollte sich aber doch mal einer in unser Konzert verirren, wird er wahrscheinlich schon bei den bunten T\u00fcchern unserer S\u00e4ngerin Hanna oder den Jesuslatschen und dem Rauschebart von Tim Liebert erahnen k\u00f6nnen, dass er in uns keine Gesinnungsgenossen findet. Sp\u00e4testens bei den Ansagen wird er merken, dass er hier v\u00f6llig fehl am Platze ist. Wir verstehen uns im Grunde aber nicht als politische Band. Wenn wir eine politische oder gesellschaftliche Message haben, dann die: Um weltoffen, tolerant und empf\u00e4nglich anderen Kulturen gegen\u00fcber zu sein, muss man selbst erstmal eine Kultur haben. Dazu geh\u00f6rt unserer Meinung nach eben auch eine eigene gelebte Musiktradition.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;\">Gibt es in der Folk- oder auch Liedermacherszene ernsthafte Bem\u00fchungen, das deutsche Identit\u00e4tsfeld positiv und international zu besetzen?<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif; font-size: 10pt;\">Da passiert tats\u00e4chlich in letzter Zeit ziemlich viel. Es gibt Bands wie \u201eBube, Dame, K\u00f6nig\u201c aus Halle, die sich ausschlie\u00dflich dem Volkslied widmen und viele Kollegen haben seit Neuestem zumindest eine Zweitband, in der sie versuchen, sich dem eigenen Liedgut zu n\u00e4hern. Sehr spannend sind in dieser Hinsicht auch die Projekte ausl\u00e4ndischer Musiker wie die CD \u201eGeisterbahn\u201c, auf der englische S\u00e4nger deutsche Volkslieder interpretieren oder der Dokumentarfilm \u201eSound of Heimat\u201c eines Neuseel\u00e4nders auf der Suche nach der wahren \u201eGerman Folkmusic\u201c, abseits der Stadl- und Schlagerwelten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;\">Stadl- und Schlagerwelten: Diese Assoziationen erschweren ihr Projekt sehr, oder?<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif; font-size: 10pt;\">Das ist wohl auch eines der gr\u00f6\u00dften Probleme, dass alleine bei dem Wort \u201eVolksmusik\u201c die meisten wohl an diverse schlechte Fernsehunterhaltungssendungen mit Dirndlmoderatorinnen und albern grinsenden Playbacktrompetern denken. Dabei hat das, was dort gebracht wird, mit echter Volksmusik wenig zu tun.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;\">In der DDR war das anders?<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif; font-size: 10pt;\">Da wurde die eigene Folklore ja sogar staatlich gef\u00f6rdert. Sicher nicht immer ohne politische Hintergedanken. Die Deutschfolk-Szene hatte ihre Bl\u00fcte Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre. Wir haben uns sehr gefreut, als das Malzhaus Plauen \u00fcber uns schrieb: \u201eSie sind das Beste, seit Folkl\u00e4nder und Wachholder die Folkb\u00fchne verlie\u00dfen\u201c, waren diese Bands doch in der DDR f\u00fcr die gro\u00dfe Popularit\u00e4t dieser Musik verantwortlich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;\">Wo finden Sie die alten Lieder? Sie dichten sie auch um?<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif; font-size: 10pt;\">Ein Teil unseres Programms besteht aus altbekannten Liedern, die man in jedem Liederbuch findet, die wir allerdings so interpretieren, dass sie trotzdem etwas Neues bieten. Das Sch\u00f6ne dabei ist, dass oft Teile des Publikums mitsingen k\u00f6nnen. Der soziale Aspekt ist ein ganz wesentlicher Bestandteil jeglicher Art von Folklore. Der andere Teil sind meist unbekannte St\u00fccke, die wir zum Teil in Archiven oder Museen finden. Manchmal gibt es sogar nur m\u00fcndliche \u00dcberlieferungen, die wir in unseren Herkunftsorten gesammelt haben. Wir behalten uns vor, Texte und Melodien zu \u00e4ndern, da auch das schon immer Bestandteil einer lebendigen Tradition war. So ersetzen wir z.B. Worte, die heute nicht mehr gebr\u00e4uchlich sind gegen zeitgem\u00e4\u00dfere.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;\">Redet man von Traditionspflege, dann redet man in Ihrem Sinne also immer von einem aktualisierenden Umgang, dann redet man immer auch vom Wandel?<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif; font-size: 10pt;\">Das ist unsere Art damit umzugehen, um die Musik am Leben zu erhalten. Nat\u00fcrlich gibt es auch andere Formen. Das Wissen darum, wie die Musik fr\u00fcher geklungen hat, ist genauso wichtig. Die meisten Ch\u00f6re singen die alten Lieder noch so wie vor 100 Jahren und werden das wohl auch noch eine Weile tun. Das w\u00fcrde ich als Traditionspflege bezeichnen. Das was wir machen, ist wohl eher Traditionserneuerung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;\">K\u00f6nnen Sie die gegenw\u00e4rtige Relevanz, die in \u201eH\u00fcSCH!\u201c liegt, an Konzerterfahrungen plastisch machen?<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif; font-size: 10pt;\">Wir sind immer wieder \u00fcberrascht, in wie vielen unterschiedlichen Bev\u00f6lkerungsschichten wir da offensichtlich eine \u201eSaite anschlagen\u201c. Da schreibt z. B. ein 14-j\u00e4hriges M\u00e4dchen auf Facebook, dass ihm die Lieder, die es in der Schule \u00e4tzend fand, dank uns wieder gefallen oder die Rentnerin, die nach dem Konzert in Tr\u00e4nen aufgel\u00f6st berichtet, dass sie ein bestimmtes Lied das letzte Mal von ihrer Gro\u00dfmutter im Krieg geh\u00f6rt hat, oder der Metalfan, der nach der Trennung von seiner Freundin nachts unsere CD h\u00f6rt, aber auch die Amerikanerin, die unser Konzert zum H\u00f6hepunkt ihres Deutschlandbesuchs erkl\u00e4rt. Am Ende eines Konzertes singen wir immer ein Lied gemeinsam mit dem Publikum, ohne Mikrofone, und man sp\u00fcrt f\u00f6rmlich die Erleichterung und auch Freude \u00fcber die Erkenntnis: Ja, auch bei uns gibt es sch\u00f6ne Lieder und man darf sie auch singen! Nicht aus nationaler \u00dcberheblichkeit heraus, sondern als Ausdrucksform einer regionalen Kultur in einer globalisierten Welt.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit\u00a0Nico Schneider von H\u00fcSCH! \u00fcber die Notwendigkeit, das deutsche Identit\u00e4tsfeld positiv zu besetzen. Erschienen im Stadtmagazin Halle\/Saale &#8222;Frizz&#8220; 07\/17\u00a0 &nbsp; Hat man sensible Antennen f\u00fcr gesellschaftliche Entwicklungen, dann springt bei Ihrer Band \u201eH\u00fcSCH!\u201c,sofort eine Thematik ins Auge. 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